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Was uns im Leben Sicherheit und Halt gibt

Was gibt uns wirklich Halt und Sicherheit im Leben, gerade nach einer Verlusterfahrung?

Sicher­heit und Halt im Leben sind Eck­pfei­ler unse­res mensch­li­chen Daseins, da sie der Bau­stein sind auf dem sich unse­re Wer­te, unse­re Ver­hal­tens­wei­se und unse­re Sicht auf das Leben gene­rell ent­fal­ten kön­nen. Wenn ich mich unsi­cher füh­le, kann ich bei­spiels­wei­se kei­ne kon­kre­ten Ent­schei­dun­gen tref­fen oder eine kla­re Rich­tung und Lebens­per­spek­ti­ve für mein Leben entwickeln.

Halt im Leben wer­den wir nie­mals im Außen fin­den (wie bei­spiels­wei­se durch finan­zi­el­le Sicher­heit), son­dern immer nur in uns selbst. Denn, was ist ein Haus noch wert, wenn alles dar­um zer­bricht? Es sind inne­re Wer­te, die uns Sta­bi­li­tät und inne­re Sicher­heit ver­lei­hen, weil aus die­sen Wer­ten, ein Ver­trau­en ins Leben erwach­sen kann. Klingt alles logisch, doch ich habe immer wie­der Fra­gen nach dem „WIE geht das über­haupt“ gestellt? Und das WIE weist einen Weg, der uns immer in Begeg­nung mit den eige­nen inne­ren Antei­len bringt:

Das Füh­len des eige­nen authen­ti­schen Seins, schenkt uns Ver­bin­dung zu uns selbst und letzt­lich auch eine inne­re Gewiss­heit, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und zu ler­nen ein Rich­tig von einem Falsch für uns selbst zu bestim­men. Das klingt wahr­schein­lich nach­voll­zieh­bar und prin­zi­pi­ell auch ein­fach, doch genau die­se Pro­zes­se bedeu­ten, den Mut auf­zu­brin­gen, sich selbst zu begeg­nen und sich von allem zu lösen, was uns davon abhält, wir selbst zu sein, denn:

Inne­re Sta­bi­li­tät ent­steht nicht durch Hal­ten, son­dern Bewegung. 

 

Was bedeu­tet das konkret?

Meta­pho­risch beschrie­ben, kön­nen Sicher­heit und Halt als Wur­zeln beschrie­ben wer­den, die einen Baum näh­ren und ihm Sta­bi­li­tät ver­lei­hen. Je tie­fer dabei die Wur­zeln in die Erde ran­ken, des­to fes­ter kann er den Natur­ge­wal­ten trot­zen. Hier­bei geht es um das The­ma Resi­li­enz. Mit Resi­li­enz ist die inne­re Wider­stands­kraft gemeint; die Fähig­keit mit schwe­ren Lebens­si­tua­tio­nen umzu­ge­hen und sogar gestärkt aus ihnen her­aus­zu­ge­hen; ein bekann­tes Zitat von Vik­tor Frankl bringt die Resi­li­en­z­kom­pe­tenz auf den Punkt:

“Das Pro­blem ist nicht das Pro­blem. Das Pro­blem ist dei­ne Ein­stel­lung zum Problem.”

Das mag pro­vo­kant klin­gen, trifft den Kern­ge­dan­ken der Resi­li­enz aber ins Mark, denn es geht hier­bei um die inne­re Wider­stands­kraft, ohne psy­chi­schen oder phy­si­schen Scha­den aus einer Kri­se her­aus­zu­ge­hen. Beim Bild des Bau­mes blei­bend, sind ein mar­kan­tes Güte­sie­gel die­ser Wider­stands­kraft, die Tie­fe der Wur­zeln, die dem Baum Stand­fes­tig­keit ver­lei­hen, um Stür­me oder gar Orka­ne unbe­scha­det zu über­ste­hen. Bezo­gen auf uns Men­schen, sind die Wur­zeln Syn­ony­me für unser Ver­trau­en ins Leben. Doch, wie oft gerät die­ses Ver­trau­en ins Leben ins Wan­ken und wird vom Schick­sal ver­meint­lich geprüft. Wenn ich auf mein eige­nes Leben zurück­bli­cke, so war bis­her wohl die schwers­te und hef­tigs­te Zeit, der frü­he Tod mei­nes Man­nes. Mit 30 Jah­ren wur­de ich von jetzt auf gleich zur Wit­we und allein­er­zie­hen­den Mut­ter eines damals 6‑Monate alten Babys. Kenn­zeich­nend für mei­ne emo­tio­na­le Wahr­neh­mung war, dass mei­ne klei­ne Welt in sich zusam­men­brach, gefühlt war nichts mehr so wie es einst war, ich fühl­te mich zutiefst unsi­cher. Neben dem Erle­ben des Todes eines nahe­ste­hen­den Men­schen gibt es noch eine Viel­zahl von Lebens­er­fah­run­gen, in denen unser Ver­trau­en ins Leben auf die Pro­be gestellt wird.

Meist sind es tief­grei­fen­de Erleb­nis­se, die mit einer dau­er­haf­ten nicht mehr rück­gän­gig zu machen­den Ver­än­de­rung des Lebens ein­her­ge­hen, die alle­samt die Gemein­sam­keit haben, dass die inne­re Sicher­heit sehr ins Wan­ken gera­ten kann und sich das Gefühl der Halt­lo­sig­keit einstellt.

Hier sind eini­ge Beispiele:

  • Der Tod eines nahe­ste­hen­den Men­schen, wie bei­spiels­wei­se der Ver­lust eines Kin­des, Part­ners oder Eltern­teils. Die­se Erfah­rung kon­fron­tiert unwei­ger­lich mit der eige­nen Sterb­lich­keit, und geht wohl immer mit einem Gefühl von Sinn­lo­sig­keit und tie­fer Trau­er einher.
  • Eine Tren­nung oder Schei­dung bedeu­tet immer den Ver­lust von Nähe, Gebor­gen­heit und gemein­sa­men Lebens­plä­nen, dies kann auch der Aus­zug der Kin­der sein.
  • Der Ver­lust des Arbeits­plat­zes oder auch ein Schei­tern im Beruf, kann zu grund­le­gen­den exis­ten­ti­el­len Ängs­ten führen.
  • Eine schwe­re Krank­heit oder auch ein Unfall (wie bei­spiels­wei­se eine Krebs­dia­gno­se, Quer­schnitts­läh­mung, chro­ni­sche Erkran­kung, etc.) kön­nen zum Ver­lust kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit oder Selbst­stän­dig­keit führen.
  • Der Ver­lust des eige­nen Zuhau­ses durch bei­spiels­wei­se Natur­ka­ta­stro­phen, Armut oder Betrug, was zu einer tie­fen Ent­wur­ze­lung, Iden­ti­täts­ver­lust und Ent­frem­dung füh­ren kann.
  • Der Tod eines Haus­tie­res bedeu­tet zugleich der Ver­lust eines treu­en Beglei­ters, der oft als Fami­li­en­mit­glied wahr­ge­nom­men wurde.

Der Weg zurück ins Ver­trau­en beschreibt den Weg, den wir Men­schen ler­nen dür­fen zu gehen, wenn wir eine Kri­se erle­ben, die uns Halt und Sicher­heit genom­men hat. Wenn ich nicht mehr ver­traue, stellt sich sehr oft ein Gefühl von Ver­lo­ren­sein, von Haltlos­sein, von Angst stellt sich ein und nicht sel­ten ein Gefühl von „dem Schick­sal aus­ge­lie­fert sein“. Es ist eine Ohn­macht, die sich als inne­re Läh­mung bemerk­bar macht.

Mit die­ser Ohn­macht tre­ten immer grund­le­gen­de Fra­gen auf, die das eige­ne Sein betreffen:

  • War­um muss­te das mir / uns passieren?
  • War­um wur­de ich bestraft?
  • War­um ist das Leben so ungerecht?
  • Was habe ich falsch gemacht?
  • Gibt es einen Sinn im Leben?
  • Gibt es einen Sinn in mei­nem Leben?

Die Tie­fe der Erfah­rung führt oft zu Sinn­kri­sen, ein­her­ge­hend mit einem Gefühl des inne­ren „Zer­bre­chens“ und dem gleich­zei­ti­gen Ver­lust von Lebens­freu­de, Hoff­nung und einem „gesun­den“ Selbst­wert­ge­fühl, was fast immer mit einer exis­ten­zi­el­len Lee­re ein­her­geht: Nicht sel­ten erfolgt der Glau­bens- oder Sinn­ver­lust, der zugleich den Ver­lust des Ver­trau­ens ins Leben impli­ziert. Zurück­bli­ckend begab ich mich selbst auf die Suche nach einem „Nor­mal“, nach einem „Nor­mal“ nach dem ich mich zutiefst sehn­te, weil ich mir durch das Nor­mal erhoff­te, wie­der Sicher­heit im Leben zu finden.

Was hilft wirklich?

Die­ser Fra­ge gehe ich sehr inten­siv in mei­nem neu­en Buch „Der Weg zurück ins Ver­trau­en” nach. Letzt­lich ist es so, dass wir Men­schen Resi­li­enz vor allem durch den Grad unse­res Bewusst­seins ent­wi­ckeln, denn je bewuss­ter ich mir mei­ner Selbst bin, des­to siche­rer und kla­rer bin ich in der Inter­ak­ti­on mit dem Außen. Carl Gus­tav Jung defi­nier­te Bewusst­sein als den Teil der Psy­che, der sich mit der Wahr­neh­mung und dem Erle­ben der eige­nen Gedan­ken und Gefüh­le beschäf­tigt. Es umfasst das, was wir aktiv erle­ben und erken­nen, im Gegen­satz zu den unbe­wuss­ten Inhal­ten, die nicht direkt im Fokus unse­res Bewusst­seins ste­hen. Jung sah das Bewusst­sein als einen dyna­mi­schen Pro­zess, der sich stän­dig ver­än­dert und ent­wi­ckelt, wäh­rend wir neue Erfah­run­gen machen und uns mit unse­rem inne­ren Selbst auseinandersetzen.

“Trauer ist ein Gesundungsprozess, der uns den Weg zurück ins Leben weist.”

San­dra Stelzner-Mürköster

Fünf mögliche „Zaubermittel“ auf dem Weg zu mehr Bewusstsein 

1.Akzeptanz des Jetzt

TIPP: Acht­sam­keit bedeu­tet, im gegen­wär­ti­gen Moment prä­sent zu sein und sich sei­ner Gedan­ken, Gefüh­le und Umge­bung bewusst zu sein. Dies kann durch Medi­ta­ti­on, Atem­übun­gen oder ein­fach durch bewuss­tes Erle­ben des All­tags erreicht werden.

2. Emo­tio­nen Raum geben — Refle­xi­on über das eige­ne Sein

TIPP: Neh­men Sie sich regel­mä­ßig Zeit, um über die eige­nen Gedan­ken, Gefüh­le und Hand­lun­gen nach­zu­den­ken. Ent­wi­ckeln Sie ein tie­fes Bewusst­sein über die eige­nen Emo­tio­nen und ihrem Bezug.

3. Akzep­tie­ren und Anneh­men – Auf­ga­be des inne­ren Widerstandes

TIPP: Ach­ten Sie auf die Signa­le Ihres Kör­pers und pfle­gen Sie eine gesun­de Lebens­wei­se. Bewe­gung, Ernäh­rung und aus­rei­chend Schlaf sind wich­tig für ein ganz­heit­li­ches Bewusstsein.

 

4. Öff­nung und Loslassen

TIPP- Arbei­ten Sie dar­an, eige­ne Gefüh­le zu ver­ste­hen und zu regu­lie­ren, sowie die Gefüh­le ande­rer zu erken­nen und ange­mes­sen dar­auf zu reagieren.

5. Fin­dung einer ein­deu­ti­gen Ausrichtung

TIPP — Set­zen Sie sich kla­re beruf­li­che wie pri­va­te Zie­le, die auch erreich­bar sind. Die­se unter­stüt­zen bei der Wahr­neh­mung des eige­nen Lebens, es geht hier­bei um die Kom­pe­tenz der Weiterentwicklung.

Abschließende Überlegungen

Der ers­te Schritt dau­er­haft inne­ren Halt zu ent­wi­ckeln, ist die wahr­haf­ti­ge Begeg­nung mit dem Jetzt: „Ja, das bin ich und genau das macht mich aus.“ Resi­li­enz ent­wi­ckelt sich nie ohne Wirk­lich­keits­be­zug. Sich selbst ehr­lich zu begeg­nen, bedarf einem: Mut, sich der Stil­le und Ruhe hin­zu­ge­ben, in denen ech­tes Füh­len und Spü­ren mög­lich wird. Inne­re Wider­stands­kraft zu ent­wi­ckeln, bedeu­tet nicht irgend­ei­nem Sche­ma F zu fol­gen, son­dern der eige­nen Indi­vi­dua­li­tät Raum und Zeit zu geben. Die­ser Ent­wick­lungs­pro­zess hält wert­vol­les Wis­sen über das eige­ne Sein bereit. In die­sem Pro­zess ler­nen wir, was uns gut tut und was nicht. Und was wir kon­kret tun kön­nen, um aus der Ohn­macht her­aus zu fin­den und neue Lebens­per­spek­ti­ven zu ent­wi­ckeln, die zugleich sinn- und ver­trau­ens­stif­tend sind. Ver­trau­en darf sich peu à peu wie­der ein­stel­len und ent­wi­ckeln. Ich habe die­ses sinn­stif­ten­de und ver­trau­ens­ge­ben­de Momen­tum im Glau­ben gefun­den, der mich durch alle Höhen und Tie­fen getra­gen hat. Als exami­nier­te Theo­lo­gin und Coa­chin darf ich heu­te Men­schen ver­ständ­nis­voll auf die­sem Weg begleiten.

Trauer ist Ausdruck tiefer Verbundenheit.

Trauer ist Ausdruck von Liebe.

Trauer ist so einzigartig, wie Du es bist.

Trauer wird ein Teil von uns, mit dem wir lernen dürfen zu leben.

Trauer trägt eine Botschaft in sich, die darauf wartet entschlüsselt zu werden.